WORDS

Es passiert, dass ich mich umdrehe und alles ist nicht mehr da.

Was ich male, stellt oft in den Schatten, was ich noch nicht gemalt habe. Geheimes, Vergessenes und Jetzt. Ich will reine, pure Malerei und es gibt Dinge die einen verfolgen und verlangen, verlangen, verlangen. Es ist etwas sehr Kleines, aber zugleich auch unvorstellbar Schweres.

Oft besteht die Gefahr zu vergessen, worum es geht. Um sich diesem mysteriösen Prozess zu nähern braucht es einen Ort im Kopf, von dem klar ist, dass er nie erreicht werden kann. Und Momente die kurz hervortreten, bevor sie wieder zurücktreten und alles wie vorher zurücklassen. Es ist immer ein hin und her und die Dinge von irgendeiner Seite sehen ist oft nicht leicht. Vielleicht ist es auch in Ordnung, wenn es einfach da ist und nirgendwohin führt. Anfang, Mitte und Ende.
Und Vieles ist einfach nicht meine Sache.

Oft wird so viel geredet und geschrieben über die Malerei und am Ende geht es doch nur um die Sehnsucht.

Petra Schweifer, 2015

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Es gibt so vieles zu den Bildern zu sagen und dann bleibe ich doch immer leise.

Es gibt eine Szene im Film Cinema Paradiso, wo Alfredo den ratternden laufenden Film durch die gesamte Kammer schweben lässt, auf die weiße Wand der Piazza hin. Es gibt kurze Texte die ich aufschreibe, zeichne, wieder aufschreibe, wieder zeichne. Es gibt überfordernde Bildmengen die sich ineinander verwirren und nachhallen. Es gibt Spiegel, die ja keine Orte sind, aber doch viel mehr zeigen. Es gibt den Schatten meines Vorhangs beim Bett, der sich jeden Tag ändert. Es gibt die Zeit und die Farbe. Es gibt das intime einsame Malen und das darauf einlassen und darin verlieren. Es gibt die Art, wie ich in einen Raum gehe und wie ich sehe und was ich sehe, mein Umfeld abtaste und speichere.
Irgendwie fängt alles an und führt immer wieder genau nirgends hin. Manchmal frage ich mich, wo ist denn eigentlich der Nicht-Ort an dem Neues entdeckt wird? Dann gibt es doch immer wieder etwas ganz nah und direkt vor meinen Augen.

Ich male alles was ich draußen finde und drinnen wiederholen will.

Petra Schweifer, 2013

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Manchmal streift mich etwas. Etwas Schönes, etwas Unruhiges, etwas Böses, etwas Unmittelbares. Ich nehme es meist nur im Augenwinkel wahr und registriere es erst, wenn es schon wieder vorbeigeflogen ist. Es gibt dafür keine Erklärung. Aber durch diese Verzögerung und die Entfernung, schmiede ich mir selbst aus etwas Vagem etwas Reales, etwas Fassbares.
Es geht um Nähe und um Distanz, um Schönheit und darum, sich nicht erklären zu müssen.

Petra Schweifer, 2012

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Situationen – von einer Sekunde auf die andere kehren sie sich um. Kaum zu fassende Momente und stumme Ereignisse. Gefrorene, stillstehende Orte.
Schärfen, Landstriche, Räume, Tiefen, Farben, Lichtverhältnisse – wiederholen sich, gewinnen in der Wiederholung an Realität, werden in der zeitlichen Distanz zu Fassbarem, Erlebtem. Wände entstehen, an denen sich Splitter aus Erinnerungen ansammeln, kleine Dinge aus Papier, Stoff, Plastik, Krümel. Bilder und Sätze tauchen auf, graben sich ein, führen zum Nächsten.
Was entsteht, ist: mein aufmerksamer Raum.

Petra Schweifer, 2011

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Auf keinem meiner Bilder ist ein Hintergrund, eine Aussicht. Nur eine Menge Vordergrund, der immer weiter und weiter zurückweicht, endlos. Der einen in sein Gewirr und Geflecht aus Bäumen und Zweigen und Felsen, Steinen und Nebel hineinzieht. Egal wie weit man eindringt in ihn, er nimmt kein Ende. Bäume sind eigentlich keine Bäume, Häuser eigentlich keine Häuser und die Landschaft eigentlich keine Landschaft im ordentlichen Sinn. Sie ist mit ungestümen Farben aufgeladen. Dort gibt es ein Unterholz, ein zurückweichendes Labyrinth, in dem man sich fast im selben Augenblick verirrt, indem man den Pfad verlässt.

Stehend unter Bäumen wie unter einer Höhle, trübes braunes Wasser, verfaulende Blätter, Räume, unfertige Häuser, Dunstschwaden, tote Baumstümpfe und scharfkantige Felsen, Vorhänge in den Häusern die gelbliches Licht abgeben und weinende Häuser über einem überwachsenen Moor.

Petra Schweifer, 2009

(teils mit verwendeten Textauszüge aus “Tod durch Landschaft” von Margaret Atwood)