GEHEIMES, DUNKLES, Galerie Straihammer und Seidenschwann, Vienna, 2016

Geheimes, Dunkles

photo: Martin Seidenschwann

Fragt man Petra Schweifer ob ihre Notationen auf Papier, ihre Sammlung von Motiven aus der Wahrnehmung ihrer alltäglichen Umwelt kommen, so verneint sie es nicht kategorisch, meint jedoch, was per se auch dem künstlerischen Tun entspricht: „Diese Formen sind von mir“.

Am Anfang steht gleichsam eine neue Wahrnehmung des Alltäglichen ausgelöst durch Zitate und Sätze, der viel lesenden Künstlerin. Stets unterwegs mit einem Skizzenbuch, werden ganze Sätze aber auch nur Wörter oder Begriffe notiert, um sich ihrer zu vergewissern, sie im Gedächtnis zu behalten. Es sind Sätze, die sie berühren, atmosphärisch oder emotional. Gleichzeitig generieren diese, so die Künstlerin oft eine neue Wahrnehmung – lesen und aufblicken – Dinge des Lebens werden plötzlich anders wahrgenommen, so die Künstlerin. Und diese Ansammlung an Gedanken in die Malerei zu übertragen geschieht mit den verschiedensten Mitteln. Schweifer arbeitet auf Papier, zeichnet und malt zugleich – bringt das Papier jedoch auf Leinwand auf –verwendet Graphit, aber auch Öl, Tempera und Acryl und mischt alles in fast anarchischer Weise um ihre Idee vom Bild umzusetzen. Die vorab gefundenen, notierten Sätze sind zu diesem Zeitpunkt längst aus ihrem Kontext enthoben, stehen im Skizzenbuch ohne zusammenhängenden Sinn und werden zum Auslöser und Ausgangspunkt für diverse Bildkompositionen. Was wir dann sehen, eröffnet uns ein breites Spektrum an Interpretationsmöglichkeiten: Berge, Hügel, Wasser, Fabelwesen, Figuren, Verletzungen, verschleierte Fenster oder einfach nur ein abstraktes Bild.

Das ist es letztlich für Petra Schweifer, auch wenn sie kein Problem damit hat, dass der Betracher so manche Assoziation damit verknüpft. Die Titel sind ihr wichtig – haben oft etwas Literarisches bisweilen Absurdes, aufgrund ihrer Bruchstückhaftigkeit. Petra Schweifer zeichnet aus der Erinnerung, lässt Gelesenes einfließen und verzerrt, persifliert, präzisiert, verschleiert, überhöht und vermischt das Dargestellte.

Vieles so die Künstlerin entsteht erst im Malprozess selbst und bezeichnet ihr künstlerischen Schaffens auch als “mein aufmerksamer Raum”. So wie ihre Bilder immer aufs Neue die Position des Ich in der Welt erkunden. „Das Malen”, so die Künstlerin, “dieser vielen Eindrücke, Gedanken, die sich sammeln, ist fast zwanghaft, – sonst würde ich sie aus dem Gedächtnis verlieren – daher rührt vielleicht auch der Eindruck einer Notation, flüchtig, spontan, sicher im Setzen auf die Fläche, wie eine Notiz – kann in einem anderen Bild noch verfestigt werden”.

Silvie Aigner, 2016